ADIEU PAPIE. Vom letzten Besuch bei meinem Opa.

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Dar letzte Besuch bei meinen Großeltern hat mich irgendwie auf besonderer Weise berührt. Einige Dinge habe ich direkt danach aufgeschrieben. An anderen schreibe ich noch.

Ich war vor diesem Besuch viel zu lang nicht dort gewesen. Meine Firma, Produktionen, Immeristirgendwasdiesdas - und schon war ein Jahr vorbei. In den letzten Monaten hatte ich dann ein echt doofes Bauchgefühl. Mein Opa ist seit Jahren schwer krank - und irgendwie war da auf einmal dieses nervige und immer unbequemer werdende Bauchgefühl, dass er stirbt und ich wegen diesem Immeristirgendwasdiesdas nicht mehr bei ihm war. Also hab ich mir geschworen, dass ich die erste Gelegenheit möglich mache, alles andere absage und nach Frankreich fahre.

Die Gelegenheit war der Geburtstag meiner Mama. Wir haben zu zweit einen Roadtrip nach Frankreich gemacht und wirklich schöne Tage mit meinen Großeltern verbracht - tarte au chocolate gegessen, über Faschisten geschimpft, Chansons gesungen - Oma hat vom französischen Widerstand erzählt und Opa von Musik…

Er wollte alles wissen. Über das Leben in Berlin, Manu, meine Firma, meine Crew, meine Kunst. Ich hab sein Radio repariert und wir saßen einfach da und haben Musik gehört. 

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Dann haben wir uns verabschiedet und irgendwas war anders als sonst. Wir haben uns mehr Zeit genommen. Am Ende haben wir uns an beiden Händen gefasst, als würden wir gleich tanzen.

Das war irgendwie seltsam und gleichzeitig überhaupt nicht. Wir standen uns so in dieser seltsamüberhauptnichtseltsamen Tanzposition gegenüber und sagten zum Abschied leise: À la prochaine. Und ich glaube, in diesem Moment wussten wir auf einmal beide, dass es kein nächstes Mal geben würde.

Das war irgendwie seltsam und gleichzeitig überhaupt nicht. Wir standen uns so in dieser seltsamüberhauptnichtseltsamen Tanzposition gegenüber und sagten zum Abschied leise: À la prochaine. Und ich glaube, in diesem Moment wussten wir auf einmal beide, dass es kein nächstes Mal geben würde.

Opa starb letzte Woche. Es ist traurig. Aber es ist wirklich okay.

Ich teil das nicht, um Beileid oder so zu bekommen. Ich teil das nur, weil es ja manchmal ganz gut ist, wenn man daran erinnert wird, dass dieses Bauchgefühl, das wir alle haben, ne derbe unbequeme nervige Sache sein kann, aber halt auch ne derbe schlaue.

ADIEU, PAPIE.